Forschung zum Stadttheater


Im Herbst 2014 wurde ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte des Theaters der Fakultät Darstellende Kunst an der Universität der Künste Berlin und konnte hier mit meinem Forschungsvorhaben zur bisher noch kaum erzählten jüngeren Geschichte des (deutschen) Stadttheaters, genauer gesagt: der selbstkritischen Transformationsversuche dieser Institution durch die Theaterschaffenden selbst, beginnen. Der Arbeitstitel meines Promotionsprojekts:

Institutionskritik im Stadttheater seit den späten 1960er-Jahren.
Selbstkritische Transformationsversuche der öffentlichen Kunst- und
Kulturinstitution in der früheren BRD, der DDR und nach 1990

Eine aktualisierte Kurzform des Exposés folgt; ein alte, ganz kurze Form des Exposés (Stand März 2016) findet sich hier. Veröffentlichte Texte, Vorträge, Gespräche seit 2020 hier.

Vorläufig knappe Notizen zum Forschungsprojekt:

Ich konzentriere mich hier vor allem auf frühere Ideen und Praktiken zur Demokratisierung von Arbeitsweisen (etwa Kollektivregie, Ensembleprojekte, offene theatrale Formen) und der Organisations- und Leitungsstrukturen („Mitbestimmung“, neue Leitungsmodelle …) sowie der Funktion der öffentlichen Institution selbst („Theater von allen für alle“). Institutionskritik beschreibt dabei einen Modus der praktischen Kritik und ‚Intervention von innen‘, die weniger auf „Erfolg“ als auf den immer wieder scheiternden, d.h. zu erneuernden und korrigierenden Versuch angewiesen ist, und sie meint auch die notwendige vorausgehende (und begleitende) Reflexion von institutionellen wie gesamtgesellschaftlichen Machtverhältnissen (samt eigener Involviertheit) und die Frage nach deren Veränderbarkeit (etwa: wer, wann, von welchem Punkt aus und mit welchem Ende?).

Debatten zur Frage, ob „das Stadttheater“ noch zu retten sei, und vor allem: wie?, ob es abgeschafft werden müsste oder sich sowieso selbst abschafft, begleiten die öffentlich finanzierte und gedachte Institution „Stadttheater“ in der BRD beinahe seit ihrer „demokratischen Neugründung“ nach Ende 2. Weltkriegs; in der DDR wird die ideologische Notwendigkeit der staatlichen Theaterinstitutionen zwar nicht/kaum in Frage gestellt, ihre Form und Funktionsweise aber durchaus ebenfalls immer wieder selbstkritisch befragt und wissenschaftlich wie künstlerisch zu erneuern versucht.

Für die Analyse der Gegenwart ist daraus noch einiges zu lernen, zu erinnern und weiterzuentwickeln. Jede Zeit braucht ihre eigenen Formen der Institutionskritik, weil sich trotz des Eindrucks der unveränderlichen, „erstarrten“ Institution Stadttheater die Anlässe der Kritik verändern, die zu kritisierenden Verhältnisse selbst verändern. An dieser Stelle wird der akademisch-theaterwissenschaftliche Rahmen der Forschung verlassen – für die Frage nach gegenwärtiger Institutionskritik als Praxis einer auch radikalen Erneuerung der öffentlichen Theaterinstitutionen braucht es kollektive Akteur*innen aus verschiedenen Feldern, die – so die Hoffnung – vom Wissen aus früheren Versuchen profitieren können.

Weiteres folgt (Stand Anfang Januar 2022).

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